BURNOUT


Beruflicher Stress und Burnout, das langsame „Ausbrennen“, werden häufig als selbstverständliche Begleiterscheinung von beruflichem Aufstieg gesehen und daher nicht rechtzeitig als behandlungsbedürftig erkannt. Durch die verschärften Arbeitsbedingungen finden sich insbesondere bei Menschen in Leitungspositionen, im sozialen und pädagogischen Bereich, inzwischen aber auch praktisch in allen anderen Berufsgruppen diese schwerwiegenden Stresserkrankungen. Burnout ähnliche Belastungssymptome finden sich auch bei chronischer Arbeitslosigkeit oder als Folge von Konkursen und Verschuldung.  

Burnout ist eine körperliche und emotionale Erschöpfung aufgrund dauernder Anspannung und Anstrengung, ständiger sozialer Begegnungen, täglichen Stresses. Die Wirkungen von Burnout sind dann besonders tiefgreifend, wenn aufreibende Arbeit und dauernde Belastung von wenig Anerkennung und mitmenschlicher Unterstützung begleitet wird.  

Für Burnout - Symptome gibt es keine typische Verlaufsform. Aber es gibt Warnsymptome in der Anfangsphase: Häufig steht am Anfang ein Überengagement für den Beruf als Lebensinhalt, für eine Idee, für ein Ziel. Dieser Zustand kann jahrelang anhalten, wenn das Verhältnis von Anstrengung und Belohnung oder Anerkennung ausgewogen ist. Die Burnout - Symptome sind deshalb anfangs von einer leichten Überarbeitung kaum zu unterscheiden. Neben dem Gefühl der Unentbehrlichkeit und deshalb nie Zeit zu haben, schleicht sich die Verleugnung der eigenen Bedürfnisse über die Hintertür mit ein. Erst nach und nach kommt es zu chronischer Müdigkeit, Unausgeschlafenheit und Energiemangel. Dieser führt allmählich zu einer Unfähigkeit zu Entspannen mit der Folge von Schlafstörungen, psychosomatischen Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm-Erkrankungen, Verdauungsstörungen u.a.   

Nach und nach geht die Freude an der Arbeit verloren, das Wochenende ist bereits von Gedanken an den Montag überschattet. Es beginnt der Rückzug ins Privatleben, der jedoch den ablaufenden Burnout - Prozess nicht mehr aufhalten kann. Dies ist der Beginn eines Teufelskreises. Auf der körperlichen Ebene erhöht die schnelle Erschöpfbarkeit die Krankheitsanfälligkeit, gleichzeitig zeigen sich auf der seelischen Seite Nervosität, Ungeduld und Reizbarkeit, die sich negativ auf das Privatleben als letztem Halt auswirken.  

Häufig führen jedoch auch mögliche Schwierigkeiten im Privatleben wie Trennung, Scheidung, Probleme mit den Kindern u.a. zur Verstärkung der Burnout - Symptomatik. Im weiteren Verlauf kommt es zu schweren Depressionen mit Schuldgefühlen („ich bin ungeeignet“) oder aber auch zu Schuldzuweisungen an andere, gefolgt von mittlerweile chronischer Gereiztheit und Wutausbrüchen und einem tiefen Misstrauen gegen die Umwelt. Bei Burnout ist ein Leistungsabfall oft nicht aufzuhalten, die Motivation erlischt, es gibt keine innovativen Impulse mehr. Menschen, die sich anfangs sehr für ihre Arbeit engagiert haben, werden nun gleichgültig, gleichgültig aber auch gegenüber ihren Partnern, Familien und Freunden. Eine existentielle Verzweiflung mit negativer Einstellung und Hoffnungslosigkeit durchzieht schließlich das ganze Leben.  

Wo liegen die Ursachen für den Burnout?  

Bei wem liegt die Schuld, beim Einzelnen oder bei den Lebensumständen? Besser geht man von einem gefährdeten Menschen in einer gefährdenden Umwelt aus. Und gefährdet sein, einen Burnout zu erleiden, kann auch ein sehr widerstandsfähiger Mensch.  

Trotzdem gibt es Eigenschaften, die zu Burnout prädestinieren, z.B. großer Idealismus, Sensibilität, unermüdlicher Arbeitseinsatz, hohes eigenes Leistungsideal und ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. Wenn diese Eigenschaften wegen veränderter Arbeitsbedingungen nicht mehr zum Tragen kommen können, wenn dem hohen Arbeitseinsatz über lange Zeit die Anerkennung versagt wird, Erfolge ausbleiben, führt dies zu Verbitterung und sozialem Rückzug. Chronische Enttäuschung und Demotivation, gefolgt von depressiven Erschöpfungserscheinungen als Zeichen des Burnout sind die Folge. Unbehandelt führt dieses Krankheitsbild zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen des familiären und beruflichen Umfeldes bis hin zu einer chronischen Erwerbsunfähigkeit.  

Welche Behandlungsangebote kann die psychosomatische Fachklinik bei Burnout bereitstellen?  

Um den negativen Kreislauf der Burnout - Folgen zu unterbrechen, ist die Herausnahme aus dem beruflichen und häuslichen Umfeld notwendig.  

Erst nach einer ausreichenden körperlichen und seelischen Stabilisierung kann eine Aufarbeitung der - den Burnout verursachenden - beruflichen und privaten Lebensssituation wie auch der biografischen Prägungen erfolgen, die eine kreative Lebensbewältigung wieder ermöglicht.   

In der Abteilung Psychotherapie und Psychosomatik der Hardtwaldklinik I steht in einem ganzheitlichen Behandlungsansatz ein Intensivprogramm für Patientinnen und Patienten mit Burnout - Symptomatik zur Verfügung. Im Mittelpunkt unseres erlebnisorientierten und konfliktzentrierten therapeutischen Arbeitens steht eine Kombination von verbalen und nonverbalen Einzel- und Gruppentherapien nach tiefenpsychologisch fundiertem integrativem Therapie-Konzept. Auch der Einsatz kreativtherapeutischer und leibtherapeutischer Anwendungen trägt zur Unterstützung der - für Menschen im Burnout wichtigen - neuen kreativen Sichtweisen bei. Körperorientierte Anwendungen, sportliche und physikalische sowie physiotherapeutische Anwendungen helfen im Sinne eines ganzheitlichen Vorgehens bei Burnout.  

Unsere 3-stufige Burnout-Behandlung besteht aus:

·        Diagnostikphase

·        Behandlungsphase

·        Abschlussphase

Ausführliche Diagnostik in der Behandlung von Burnout

Nach einer gründlichen Anamneseerhebung und einer eingehenden klinischen Untersuchung unter Einbeziehung medizinischer Vorbefunde wird – ausgerichtet auf persönliche Bedürfnisse und unter Berücksichtigung der Therapieziele - ein individueller Therapieplan erstellt. Bei Bedarf erfolgt eine ausführliche testpsychologische Untersuchung.  

Sowohl zu Beginn der Burnout -Behandlung als auch im Verlauf kann eine begleitende psychopharmakologische Therapie den Heilungsprozess unterstützen und fördern. Ihr Einsatz erfolgt immer nach Absprache und mit Einwilligung der Patienten.  

Diese umfangreiche Anfangsdiagnostik bündelt die Aufmerksamkeit bereits auf die zu bearbeitenden Problembereiche in der Burnout - Behandlung. Daneben finden im Rahmen unseres ganzheitlichen Ansatzes aber auch die gesunden Anteile der Persönlichkeit ein besonderes Augenmerk, um diese auch als Kraftquellen für die weitere Therapie zu nutzen.  

Schritte in der Behandlungsphase von Patienten mit Burnout

Sensibilisierung für die eigene Körperwahrnehmung  

Erster Schritt in der Burnout - Behandlung ist die Wiedergewinnung der seelischen und körperlichen Balance. Hierzu ist es wichtig, die eigenen „Antennen nach innen zu richten“ und auf körperliche Signale zu achten. Dieser Prozess wird unterstützt durch das körpertherapeutische Angebot der Abteilung mit sanften Entspannungsverfahren, Meditation, Körperübungen. Ein stufenweiser Wiederaufbau der Belastbarkeit durch moderate sportliche Betätigung trägt zur Stärkung von Lebensmut und Lebenswillen bei.  

Bewusstes Wahrnehmen von Belastungen und Burnout - Risiken  

Hier geht es um die aktuelle private oder berufliche Belastung und das Erstellen einer Belastungsanalyse. Welche Belastungen führen zum Burnout? Dies kann in unserem erlebnisorientierten Setting in Einzel- und Gruppengesprächen, Rollenspielen, Familienaufstellungen oder Aufstellungen der Arbeitssituation oder in kreativtherapeutischer Arbeit geschehen. Die Gruppenwahrnehmungen helfen bei der Gewichtung der Belastungen. Tagebucharbeit oder Protokolle unterstützen diesen Prozess.  

Überprüfung von eigenen Ansprüchen   

Hohe Anspruchshaltung kann zum Burnout beitragen. Die eigenen Ansprüche sind meist eng verbunden mit den ursprünglichen Hoffnungen und Erwartungen, die sich an die Berufswahl oder den Familien-Wunsch geknüpft haben. 

An dieser Stelle tauchen immer auch biografische Prägungen und Erfahrungen auf: 
mögliche Elternerwartungen und –Elternwünsche "….der Vater wollte, dass ich Lehrer werde…“. Diese Übernahmen von „Elternaufträgen“ können im vertrauten Gruppenrahmen oder im Einzelgespräch mit dem Therapeuten bearbeitet werden. Um Burnout, also das „Ausbrennen“ zu verhindern, ist es wichtig, sich gegenüber zu hohen Anforderungen abzugrenzen. Es wird hier deshalb auch um die Verbesserung der Fähigkeit zur Abgrenzung gehen, die sowohl im Gruppenfeld und als auch im größeren Rahmen der therapeutischen Gemeinschaft in der Klinik erprobt werden kann.  

Grundthemen in der Beziehungsgestaltung, die sich hinter Persönlichkeitszügen verbergen, können gezielt bearbeitet und im Austausch des Gruppenfeldes wie auch in Rollenspielen können alternative Formen der Beziehungsgestaltung erprobt werden. Wichtige Ziele sind hierbei die ausreichende Regulierung von Nähe und Distanz, sowie die Verbesserung der Konfliktfähigkeit und die kritische Würdigung der Helferrolle. Immer wieder steht dabei auch die Stärkung des Selbstwertgefühls im Mittelpunkt.  

Ein zentrales Thema in der Behandlung von Burnout: die Wiedergewinnung von Lebendigkeit und Kreativität  

Besondere Bedeutung in unserer stationären Behandlung von Menschen mit Burnout -Symptomatik kommt der Einbindung unserer überwiegend nonverbalen Kreativtherapien in die problemorientierte Gruppen- und Einzel-Therapie zu. Durch die nonverbalen Ausdrucksmöglichkeiten in Kunsttherapie, Musiktherapie und körperorientierter Leib- und Bewegungstherapie entstehen kreative Lösungsmöglichkeiten, die helfen, die eigene Problematik aus einem neuen, unerwarteten Blickwinkel zu betrachten und dazu beitragen, das Leben wieder aktiv zu gestalten.  

Abschluss- und Integrationsphase  

In dieser Phase der Burnout -Behandlung geht es um eine Integration der bearbeiteten Problemkreise sowie der wiedergewonnenen Ressourcen. Auf der Grundlage des erreichten Zuwachses an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen können private und berufliche Perspektiven geprüft werden und die Umsetzung in die häusliche Umgebung vorbereitet werden.  

Haben Sie Interesse an weiteren Einzelheiten? Besuchen Sie doch unsere Homepage unter http://www.hardtwaldklinik2.de/traumatherapie/index.html oder rufen Sie uns an. Unser Sekretariat gibt Ihnen unter den Nummern 05626 - 88 17 57 bzw. 88 18 65 gerne Auskunft.

B. Landgrebe

Animationen animierte Augen

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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

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Aktualisiert: Juni 2010

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