Kunsttherapie
- in der Psychosomatik -
Die
Kunsttherapie
hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Verbreitung und Bedeutung gewonnen.
Kunsttherapie zeigt neue Wege der Persönlichkeitsentwicklung und des
Zuganges zu sich selbst, ist ein handlungs- und erlebnisorientiertes
Therapieverfahren, vertieft und differenziert das Erleben. Der innere Dialog mit
sich selbst wird angeregt, indem die Kunsttherapie die Vielfalt des
Ausdrucks und die Möglichkeiten fördert, darüber zu sprechen. Durch
bildnerisches Gestalten werden innere Bilder zugänglich gemacht. Und so eröffnet
der kreative Ausdruck in Farben und Formen dem Menschen neue Möglichkeiten der
Heilung.
Die Patienten malen,
zeichnen und modellieren und können dabei ihre Gefühle, Stimmungen, Phantasien
und Erinnerungen in Farbe auf Papier und in Ton ausdrücken. Sie schaffen sich
ein sichtbares Gegenüber, ein Bild oder eine Tonfigur, und können so etwas
betrachten, wie das innere Abbild ihres Problemthemas.
Das gestaltete Objekt
wirkt so auf den Gestalter zurück, es lässt ihn in seinem Bild Zusammenhänge
erkennen, die ihm bisher verborgen geblieben waren. Und eine Folge von Bildern
kann darüber hinaus die Entwicklung aufzeigen, die sich aus der Arbeit in der
Kunsttherapie ergeben hat.
An dieser Stelle soll noch
einmal betont werden, dass für Kunsttherapie weder Vorkenntnisse noch
besondere Begabungen erwartet werden. Diese Therapie stellt vielmehr eine
Möglichkeit bereit, einen persönlichen Ausdruck für die eigenen Gefühle zu
finden. Die Therapeutin kann hierbei Anregungen und Hilfestellung geben.
Kunsttherapie als
heilender Faktor
Kinder greifen bei
traumatische Ereignissen, z.B. dem Verlust einer Bezugsperson, intuitiv zu
bildhaften Mitteln, um das Erlebnis zu verarbeiten. Beim Zeichnen, Malen und im
Spiel mit einfachen, selbst gefertigten Figuren wiederholen sie das Erlebte,
tauschen Rollen und drücken ihre Wünsche aus.
Die meisten Erwachsenen
haben im Laufe ihrer Entwicklung die Möglichkeit verloren, im gestaltenden Tun
sich wieder neu zu erfahren und innerlich zu ordnen. In Zeiten starker innerer
Spannung, in Konfliktsituationen und in Lebenskrisen stehen ihnen deshalb nicht
genügend Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung. An die Stelle von natürlichen
Gefühlsäußerungen treten dann körperliche und seelische Beschwerden.
Die befreiende, heilende
Wirkung der spontanen Darstellung wird in der Kunsttherapie genutzt.
Phasen der
Gruppenarbeit in der Kunsttherapie
1. Phase : Das kreative
Schaffen
Der Mensch begibt sich in
einen schöpferischen Prozess, wenn er aktiv etwas gestaltet. Seine inneren
Bilder gelangen nach „außen“ und können dort betrachtet werden. Das innere Bild
besteht aus Wünschen, Sehnsüchten, aber auch aus Befürchtungen. Die innere Welt
kann ein bisschen nach außen treten und als Objekt der Betrachtung zur Verfügung
stehen, um heilende Kräfte zu mobilisieren. Wenn es dem Patienten als Gestalter
seiner Bilder gelingt, die eigenen dargestellten Probleme aus der Distanz zu
betrachten, können sich neue Aspekte und Einsichten einstellen.
2. Phase: Betrachtung
von gestalteten Objekten
Bei der Betrachtung und
Besprechung der gestalteten Objekte geht es zuerst einmal vordergründig um die
Erfahrung, etwas geschaffen zu haben, aber auch um den Ausdruck, die Mitteilung
der inneren Befindlichkeit. Während der Phase der Betrachtung können im
gemeinsamen Gespräch neue Strategien und Lösungswege herausgearbeitet werden.
Manchmal passen diese Erfahrungen und Impulse auch zur Lebenswirklichkeit des
Patienten und können Anstöße geben, etwas zu ändern.
3. Phase:
Kunsttherapie als Arbeit in der Gruppe
Die Arbeiten in Farbe oder
Ton werden auch zum Ausgangspunkt für die Gruppenarbeit. Bildnerische Vergleiche
ermöglichen den Teilnehmern die eigene Situation besser wahrzunehmen.
Sichtweisen erweitern sich und neue Aspekte können eingefügt werden.
Schon während des
Gestaltens können sich die Gruppenmitglieder gegenseitig inspirieren und anregen
lassen.
Bei der Betrachtung der
einzelnen Objekte in der Gruppe besteht nun die Möglichkeit, viele Ideen und
Ansichten zu sammeln und die hilfreichsten Äußerungen der Gruppenmitglieder für
sich zu nutzen, um individuelle Lösungswege zu finden. In der 3. Phase besteht
die Möglichkeit, mit den neu gewonnen Ideen die vorhandenen Objekte
weiterzuentwickeln.
Ziele in der
Kunsttherapie:
-
Aktivierung kreativer Kräfte und Stärkung
des Selbstausdrucks
-
Relativierung des häufig überhöhten
Leistungsanspruches
-
Erleben von Entspannung, Freude und
Zufriedenheit
-
Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten und
Problemen
-
Verbesserung der Mitteilungsfähigkeit
gegenüber anderen Menschen
-
Kontakt zu den eigenen Empfindungen
herstellen
-
Entwicklung von Zukunftsperspektiven und
Zielvorstellungen
-
Stabilisierung der Persönlichkeit
-
Steigerung des Selbstbewusstseins und
Stärkung der eigenen Fähigkeiten
Methoden der
Kunsttherapie
-
Experimentieren mit Farbe und Ton-Material
-
Gestalterisches Arbeiten zu vorgegebenen
Themen
-
Geleitete Phantasie und bildnerisches
Gestalten
-
Gruppen- und Einzelarbeit
-
Freies Malen, Umsetzen innerer Bilder und
eigener Ideen
-
Meditatives Malen
Materialauswahl in
Kunsttherapie
Mal und
Zeichengrundlagen
Weißes Papier in verschiedenen Stärken,
unterschiedlichen Größen und Formaten.
Tonpapier in verschiedenen Farben.
Fingerfarben, mit den bloßen Fingern oder mit Pinsel vermalbar.
Aquarellfarben
Ölpastellkreiden
Pastellkreiden
Für das plastische
Gestalten
verwenden wir in der
Kunst- und Kunsttherapie mageren Ton, in den Farbtönen: ocker, braun und
weiß.
Christine Kreis
Kunst- und
Gestaltungstherapeutin
Abteilung Psychotherapie und Psychosomatik

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Aktualisiert:
Juni 2010
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