MOBBING Arbeitsplatz-Störung - beruflicher Stress -
Mobbing
Mobbing ist
heute ein gängiger Begriff, mit dem schwere und meist langwierige Konflikte am
Arbeitsplatz bezeichnet werden. Trotz des weithin bekannten Phänomens ist
Mobbing für die Betroffenen oft lange
nicht erkennbar. Häufig begeben sich Menschen erst nach jahrelangen Mobbing
-Erfahrungen in ärztliche oder therapeutische Behandlung. Dann ist es meist
schon zu einer schweren Beeinträchtigung der seelischen und körperlichen
Gesundheit gekommen.
Woran
erkennt man Mobbing?
„Mobbing“
oder „mobben“ bedeutet soviel wie über
jemanden herfallen, jemanden anpöbeln. Nicht jeder Konflikt oder Streitigkeit
am Arbeitsplatz ist Mobbing. Vielmehr bedeutet Mobbing immer ein Ausgrenzen bei
ungleichem Kräfteverhältnis, z.B. der Vorgesetzte grenzt
einen Mitarbeiter aus oder viele Kollegen einen oder einige wenige Kollegen. Auch handelt es sich bei Mobbing nicht
um einzelne Vorfälle, vielmehr beinhaltet Mobbing
ein systematisches, fast tägliches Vorgehen über einen längeren
Zeitraum von mindestens einem halben Jahr. Oft verschärft sich die Mobbing
-Situation über verschiedene Stufen, stabilisiert sich zwischenzeitlich wieder
oder schwächt sich sogar ab, manchmal wird sie auch beendet, bevor eine extreme
Intensivierung eintritt.
Typische
Mobbing -Handlungen sind z.B.: der Betroffene wird von Vorgesetzten häufig
kritisiert, er bekommt wenig Möglichkeit, sich zu äußern, wird möglicherweise
sogar „wie Luft behandelt“, wichtige Dinge werden in seiner Abwesenheit
besprochen, er wird zu Feiern nicht eingeladen, ihm wird entweder zuviel Arbeit
aufgebürdet, die er gar nicht schaffen kann, oder er bekommt zu wenig und muss
sich überflüssig und nutzlos fühlen.
Aber auch durch Kollegen kann Mobbing geschehen: wenn diese den Neuen übergehen,
nicht beachten, ihm Mitteilungen vorenthalten, ihn möglicherweise bei den
Vorgesetzten anschwärzen und ihn offensichtlich ausgrenzen.
Diese Mobbing
-Handlungen können anfangs durchaus
in Abständen und geringer Massivität auftreten, so dass der Betroffene sich möglicherweise
zunächst selbst dafür
verantwortlich macht und deshalb oft längere
Zeit verstreicht, bis ihm bewusst wird, was hier mit ihm geschieht.
Wodurch
wird Mobbing begünstigt?
Es liegen
hierfür keine wissenschaftlich gesicherten Ergebnisse vor. Daher stellt sich
eher die Frage, welche Arbeitsplätze begünstigen überhaupt Mobbing?
Allgemein kann man sagen, dass besonders die Arbeitsplätze Mobbing - anfällig
sind, die sich durch eher unklare Strukturen und lange Dienstwege auszeichnen
oder bei denen die Vorgesetzten nicht direkt ansprechbar und vor Ort sind.
Besonders
Mobbing - gefährdet sind Institutionen, die sich durch starre Hierarchien und
persönliche Abhängigkeiten und hohe Anforderungen auszeichnen, wie z.B.
Krankenhäuser, der Polizei-Dienst, Vollzugs-Dienst u.ä.
Aber auch Einrichtungen, bei denen flache
Hierarchien bzw. eher demokratische Strukturen („wir sind alle gleich“)
vorherrschen, sind nicht gegen Mobbing gefeit: Mobbing kann auch in
Kindergärten und in Institutionen, die von Vereinen getragen werden,
vorkommen.
Mobbing kann
begünstigt werden durch Vorgesetzte. Diese verfügen
meist über hochqualifizierte Ausbildungen in ihrem Fach, nicht aber über
eine spezielle Ausbildung in Mitarbeiterführung.
Ein weiterer
sensibler Faktor, der Mobbing begünstigen
kann, ist ein Führungswechsel innerhalb des Betriebes. Der neue Chef
tauscht die Mannschaft aus, bringt viele Veränderungen auf einmal und überfordert
die Mitarbeiter.
Aber auch
durch Mitarbeiter kann Mobbing geschehen:
wenn die oder der Neue im Team nicht willkommen ist, oder es zum
Konflikt zwischen Jung und Alt – zwischen „Erfahrung“ und
„Ausbildung“ kommt.
Mobbing kann
es selbst in Familienbetrieben geben, wenn
z.B. keine Übereinstimmung darüber besteht, wer im Haus das Sagen hat.
Welche
Symptomatik löst Mobbing beim Betroffenen
aus?
Menschen,
die ständig der Kritik,
Missachtung und Isolation ausgesetzt sind,
entwickeln Stresssymptome,
die einhergehen
mit einem
tiefen Gefühl der Verunsicherung und
Angst. Einer Angst vor Ablehnung, etwas falsch zu machen und nicht gut
genug zu sein. Es kommt zu innerer Unruhe, der
Schlaf wird schlecht, tagsüber treten Konzentrationsstörungen auf.
Meist reagieren die Menschen bereits in dieser Phase mit körperlichen
Symptomen wie Kopf-Schmerzen,
Magen-Darm-Beschwerden, Störungen des
Appetits (zu wenig oder zuviel Essen) und
mit Erschöpfungszuständen
ohne die
Möglichkeiten der Erholung. Der seelische und körperliche
Leistungsabfall löst wiederum
Versagensgefühle aus, das Selbstvertrauen leidet, Menschen reagieren mit Scham
und Schuldgefühlen und ziehen sich von ihrer Umwelt nach und nach zurück. Es
kommt zu einer allmählich sich
steigernden Existenzangst, die sich bis zu panikartig auftretenden Angstanfällen
steigern kann.
Diese
Entwicklung hat immer auch Auswirkungen
auf das Privatleben und verursacht auch hier schwerwiegende Störungen in
den Beziehungen. Der Mobbing -Betroffene kann die anhaltende Kränkungssituation
nicht mehr ausgleichen, er ist völlig verfangen in diesem Erleben, kann nicht
mehr abschalten. Er spricht nur noch
von dem Unrecht, das ihm angetan wird und hat für seine Umgebung keine
Aufmerksamkeit übrig. Seine schlechte Stimmung
und seine grundlegenden Misstrauenshaltung allem gegenüber
wirkt sich auf das familiäre
Zusammenleben und den Freundeskreis aus, die nicht mehr in der Lage sind, diese
Veränderungen aufzufangen
und es kann
auch dort
zu schweren Zerwürfnissen führen.
Dies
wiederum verstärkt nur die
Verbitterung und den Rückzug des Mobbing -Betroffenen,
der nun auch noch sein Privatleben zerstört sieht, bis hin zum Auftreten
von schweren
Depressionen. Es können sich
jedoch auch auffällige Verhaltensweisen
wie z.B. aggressive Verteidigungshaltungen und
Persönlichkeitsveränderungen
entwickeln. Bei manchen Mobbing -Betroffenen kommt es zu
Symptomen ähnlich einer
Posttraumatischen Belastungsstörung
mit Alpträumen, Gedankenkreisen und innerer Unruhe.
Was
kann man als Mobbing - Betroffener tun?
Bei
längjähriger Mobbing - Situation und schwerwiegender Beeinträchtigung durch
Mobbing reicht meist eine ambulante Therapie in
Kombination mit psychopharmakologischer Behandlung nicht aus. Hier ist
auch die Herausnahme aus dem häuslichen und beruflichen Konfliktfeld
durch eine stationären Behandlung notwendig, um eine unabdingbare erste
situative Entlastung zu ermöglichen, die Voraussetzung
ist für eine seelische und körperliche
Stabilisierung und die eine
therapeutische Aufarbeitung der entstanden Problematik
erst möglich macht.
In
einer 4 – 6 wöchigen stationären Behandlung der Mobbing - Folgen
in der
Abteilung Psychotherapie und Psychosomatik der Hardtwaldklinik
I ist deshalb nach einer intensiven Diagnostik der psychischen und körperlichen
Beeinträchtigung, die auch eine ausführliche
Arbeitsplatzbeschreibung beinhaltet, zunächst die körperlich-seelische
Stabilisierung im
Vordergrund, die meist durch eine begleitende psychopharmakologische
Behandlung unterstützt werden kann. Damit wird ein Durchbrechen des
Teufelskreises aus immer weiter fortschreitender Depression mit Selbstanklagen,
Grübeln, sozialem Rückzug und abnehmender beruflicher Leistungsfähigkeit ermöglicht.
Die Atmosphäre der Klinik, die von Verständnis und Anerkennung getragen ist, bewirkt beim Mobbing - Betroffenen zunächst Entlastung und Entspannung als grundlegende Voraussetzung, um Selbstheilungskräfte zu aktivieren und ausreichendes Vertrauen zu schaffen, wieder auf Menschen zuzugehen. Erst dann ist es dem Betroffenen in einem weiteren Schritt möglich, sich mit seiner aktuellen Situation auseinander zu setzen, zu verstehen, was an dieser Arbeitsstelle mit ihm geschehen ist.
Er
gewinnt wieder Kontrolle über die Situation und kann
seine Entscheidungsfähigkeit stärken, um
Konfliktbewältigungsstrategien zu entwickeln, zu lernen sich abzugrenzen
und sich zu wehren. Über die Wiedergewinnung von
Selbstvertrauen kann das Geschehene nach und nach
bewältigt werden.
Kern
unseres stationären ganzheitlichen Behandlungsangebot für Menschen, die
an den Folgen von Mobbing leiden, ist eine
Kombination von Einzelgesprächen und Gruppenarbeit
in Verbindung mit Kreativtherapie und einem spezifischen
Angebot zur Mobbing - Problematik
am Arbeitsplatz, körperorientierten Ansätzen und
medizinischen Anwendungen. Der Einsatz kreativtherapeutischer und
leibtherapeutischer Anwendungen ist notwendig, um aus dem chronisch negativen
Gedankenzyklus auszubrechen und neue Sichtweisen zu entwickeln. Sportliche,
physikalische und physiotherapeutische Anwendungen unterstützen im Sinne eines
ganzheitlichen seelisch-körperlichen Vorgehens.
Inhalte
unserer Mobbing-Behandlung:
Körperlich-seelische
Stabilisierung Die Herausnahme aus dem beruflichen und privaten Konfliktfeld einerseits sowie eine Atmosphäre von Akzeptanz und Verständnis in der therapeutischen Begegnung und im gruppentherapeutischen Feld schafft für den Mobbing - Betroffenen eine grundlegende Entlastung, auf deren Boden die vielfältigen therapeutischen Angebote ihre stabilisierende und selbstwertstärkende Wirkung entfalten. Unsere Leib- oder Körpertherapie, die erlebnisorientierte Musiktherapie und Kunsttherapie, Atemwahrnehmung, Yoga sowie Entspannung und ein mildes körperliches Ausdauertraining verstärken diesen Prozess.
Bearbeitung
der Mobbing-Situation und dahinter
liegender Konflikte
Hierzu
gehören psychoeduktive Angebote, die Bearbeitung der individuellen Situation am
Arbeitsplatz in der spezifischen Gruppe für Arbeitsplatzstörungen durch
Rollenspiele, Arbeitsplatz-Soziogramm mit dem Ziel, die verschiedenen Anteile
der am Mobbing Beteiligten herauszuarbeiten. Diese Themen fließen in die
Therapiegruppen ein, an die sich mögliche biografische und weitere aktuelle
Themen anschließen. Weitere Schritte im
Gruppenfeld sind Erlernen und Üben von
Konfliktbewältigungsstrategien, Selbstsicherheitsübungen, Ärger- und
Stressbewältigung. Sowohl die Therapiegruppe wie auch der große Raum der
therapeutischen Gemeinschaft auf der Abteilung bieten viele Möglichkeiten
einer Veränderung der Beziehungsgestaltung und des Kommunikationsverhaltens.
Abschlussphase
Nach
der Bearbeitung der Frage der Integration
oder Reintegration in den Arbeitsprozess oder der beruflichen Neuorientierung
erfolgt die ganz konkrete Zielplanung: was ist nach dem Aufenthalt und in
welcher Reihenfolge zu unternehmen? Behandlungsziel kann zum einen die
dauerhafte Entlastung durch die Lösung der
Mobbing - Situation sein, andererseits ist es durch begleitende Maßnahmen der
Sozialarbeit möglich, einen eventuell
notwendigen Arbeitsplatzwechsel anzubahnen oder anderweitige Unterstützung auf
diesem Wege durch weitere sozialtherapeutische
Maßnahmen einzuleiten. Den Übergang von der stationären Behandlung in
die häusliche Situation können ambulante therapeutische Maßnahmen begleiten. Haben Sie Interesse an weiteren Einzelheiten? Besuchen Sie doch unsere Homepage unter http://www.hardtwaldklinik1.de/Integrative_Gestalttherapie_Traumatherapie.html oder rufen Sie uns an. Unser Sekretariat gibt Ihnen unter den Nummern 05626 - 88 17 57 bzw. 88 18 65 gerne Auskunft.
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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