MOBBING

Arbeitsplatz-Störung - beruflicher Stress - Mobbing    


Übersicht:

  • Woran erkennt man Mobbing?  

  • Wodurch wird Mobbing begünstigt?  

  • Welche Symptomatik löst Mobbing beim Betroffenen aus?  

  • Was kann man als Mobbing - Betroffener tun?  

  • Inhalte unserer Mobbing - Behandlung

Mobbing ist heute ein gängiger Begriff, mit dem schwere und meist langwierige Konflikte am Arbeitsplatz bezeichnet werden. Trotz des weithin bekannten Phänomens ist Mobbing für die Betroffenen oft lange nicht erkennbar. Häufig begeben sich Menschen erst nach jahrelangen Mobbing -Erfahrungen in ärztliche oder therapeutische Behandlung. Dann ist es meist schon zu einer schweren Beeinträchtigung der seelischen und körperlichen Gesundheit gekommen. 

Woran erkennt man Mobbing?  

„Mobbing“ oder „mobben“ bedeutet soviel wie über jemanden herfallen, jemanden anpöbeln. Nicht jeder Konflikt oder Streitigkeit am Arbeitsplatz ist Mobbing. Vielmehr bedeutet Mobbing immer ein Ausgrenzen bei ungleichem Kräfteverhältnis, z.B. der Vorgesetzte grenzt einen Mitarbeiter aus oder viele Kollegen einen oder einige wenige Kollegen. Auch handelt es sich bei Mobbing nicht um einzelne Vorfälle, vielmehr beinhaltet Mobbing ein systematisches, fast tägliches Vorgehen über einen längeren Zeitraum von mindestens einem halben Jahr. Oft verschärft sich die Mobbing -Situation über verschiedene Stufen, stabilisiert sich zwischenzeitlich wieder oder schwächt sich sogar ab, manchmal wird sie auch beendet, bevor eine extreme Intensivierung eintritt.  

Typische Mobbing -Handlungen sind z.B.: der Betroffene wird von Vorgesetzten häufig kritisiert, er bekommt wenig Möglichkeit, sich zu äußern, wird möglicherweise sogar „wie Luft behandelt“, wichtige Dinge werden in seiner Abwesenheit besprochen, er wird zu Feiern nicht eingeladen, ihm wird entweder zuviel Arbeit aufgebürdet, die er gar nicht schaffen kann, oder er bekommt zu wenig und muss sich überflüssig und nutzlos  fühlen. Aber auch durch Kollegen kann Mobbing geschehen: wenn diese den Neuen übergehen, nicht beachten, ihm Mitteilungen vorenthalten, ihn möglicherweise bei den Vorgesetzten anschwärzen und ihn offensichtlich ausgrenzen.  

Diese Mobbing -Handlungen  können anfangs durchaus in Abständen und geringer Massivität auftreten, so dass der Betroffene sich möglicherweise zunächst  selbst dafür verantwortlich macht und deshalb oft  längere Zeit verstreicht, bis ihm bewusst wird, was hier mit ihm geschieht.  

Wodurch wird Mobbing begünstigt?  

Es liegen hierfür keine wissenschaftlich gesicherten Ergebnisse vor. Daher stellt sich eher die Frage, welche Arbeitsplätze begünstigen überhaupt Mobbing? Allgemein kann man sagen, dass besonders die Arbeitsplätze Mobbing - anfällig sind, die sich durch eher unklare Strukturen und lange Dienstwege auszeichnen oder bei denen die Vorgesetzten nicht direkt ansprechbar und vor Ort sind.  

Besonders Mobbing - gefährdet sind Institutionen, die sich durch starre Hierarchien und persönliche Abhängigkeiten und hohe Anforderungen auszeichnen, wie z.B. Krankenhäuser, der Polizei-Dienst, Vollzugs-Dienst u.ä. Aber auch Einrichtungen, bei denen flache Hierarchien bzw. eher demokratische Strukturen („wir sind alle gleich“) vorherrschen, sind nicht gegen Mobbing gefeit: Mobbing kann auch in  Kindergärten und in Institutionen, die von Vereinen getragen werden, vorkommen.

Mobbing kann begünstigt werden durch Vorgesetzte. Diese verfügen meist über hochqualifizierte Ausbildungen in ihrem Fach, nicht aber über eine spezielle Ausbildung in Mitarbeiterführung.

Ein weiterer sensibler Faktor, der Mobbing begünstigen kann, ist ein Führungswechsel innerhalb des Betriebes. Der neue Chef tauscht die Mannschaft aus, bringt viele Veränderungen auf einmal und überfordert die Mitarbeiter.

Aber auch durch Mitarbeiter kann Mobbing geschehen: wenn die oder der Neue im Team nicht willkommen ist, oder es zum  Konflikt zwischen Jung und Alt – zwischen „Erfahrung“ und  „Ausbildung“ kommt.

Mobbing kann es selbst in Familienbetrieben geben,  wenn z.B. keine Übereinstimmung darüber besteht, wer im Haus das Sagen hat.  

Welche Symptomatik löst Mobbing beim Betroffenen aus?  

Menschen, die ständig der Kritik, Missachtung und Isolation ausgesetzt sind, entwickeln Stresssymptome,  die  einhergehen mit einem tiefen Gefühl der Verunsicherung  und  Angst. Einer Angst vor Ablehnung, etwas falsch zu machen und nicht gut genug zu sein. Es kommt zu innerer Unruhe, der Schlaf wird schlecht, tagsüber treten Konzentrationsstörungen auf. Meist reagieren die Menschen bereits in dieser Phase mit körperlichen Symptomen wie Kopf-Schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Störungen des Appetits (zu wenig oder zuviel Essen) und  mit  Erschöpfungszuständen ohne die Möglichkeiten der Erholung. Der seelische  und körperliche Leistungsabfall löst  wiederum Versagensgefühle aus, das Selbstvertrauen leidet, Menschen reagieren mit Scham und Schuldgefühlen und ziehen sich von ihrer Umwelt nach und nach zurück. Es  kommt zu einer allmählich sich steigernden Existenzangst, die sich bis zu panikartig auftretenden Angstanfällen steigern kann.    

Diese Entwicklung hat immer auch Auswirkungen auf das Privatleben und verursacht auch hier schwerwiegende Störungen in den Beziehungen. Der Mobbing -Betroffene kann die anhaltende Kränkungssituation nicht mehr ausgleichen, er ist völlig verfangen in diesem Erleben, kann nicht mehr abschalten. Er  spricht nur noch von dem Unrecht, das ihm angetan wird und hat für seine Umgebung keine Aufmerksamkeit übrig. Seine schlechte Stimmung und seine grundlegenden Misstrauenshaltung allem gegenüber wirkt sich auf  das familiäre Zusammenleben und den Freundeskreis aus, die nicht mehr in der Lage sind, diese Veränderungen aufzufangen und es kann auch dort  zu  schweren Zerwürfnissen führen.  

Dies wiederum verstärkt nur die Verbitterung und den Rückzug des Mobbing -Betroffenen, der nun auch noch sein Privatleben zerstört sieht, bis hin zum Auftreten von schweren Depressionen. Es können sich jedoch auch auffällige Verhaltensweisen wie z.B. aggressive Verteidigungshaltungen und Persönlichkeitsveränderungen entwickeln. Bei manchen Mobbing -Betroffenen kommt es zu  Symptomen ähnlich einer Posttraumatischen Belastungsstörung mit Alpträumen, Gedankenkreisen und innerer Unruhe.  

Was kann man als Mobbing - Betroffener tun?  

Bei längjähriger Mobbing - Situation und schwerwiegender Beeinträchtigung durch Mobbing reicht meist eine ambulante Therapie in Kombination mit psychopharmakologischer Behandlung nicht aus. Hier ist auch die Herausnahme aus dem häuslichen und beruflichen Konfliktfeld durch eine stationären Behandlung notwendig, um eine unabdingbare erste situative Entlastung zu ermöglichen, die Voraussetzung ist für eine seelische und körperliche  Stabilisierung und die eine therapeutische Aufarbeitung der entstanden Problematik erst möglich macht.  

In einer 4 – 6 wöchigen stationären Behandlung der Mobbing - Folgen in der Abteilung Psychotherapie und Psychosomatik der Hardtwaldklinik I ist deshalb nach einer intensiven Diagnostik der psychischen und körperlichen Beeinträchtigung, die auch eine ausführliche Arbeitsplatzbeschreibung beinhaltet, zunächst die körperlich-seelische  Stabilisierung im Vordergrund, die meist durch eine begleitende psychopharmakologische Behandlung unterstützt werden kann. Damit wird ein Durchbrechen des Teufelskreises aus immer weiter fortschreitender Depression mit Selbstanklagen, Grübeln, sozialem Rückzug und abnehmender beruflicher Leistungsfähigkeit ermöglicht.  

Die Atmosphäre der Klinik, die von Verständnis und Anerkennung getragen ist, bewirkt beim Mobbing - Betroffenen zunächst Entlastung und Entspannung als grundlegende Voraussetzung, um Selbstheilungskräfte zu aktivieren und ausreichendes Vertrauen zu schaffen, wieder auf Menschen zuzugehen. Erst dann ist es dem Betroffenen in einem weiteren Schritt möglich, sich mit seiner aktuellen Situation auseinander zu setzen, zu verstehen, was an dieser Arbeitsstelle mit ihm geschehen ist. 

Er gewinnt wieder Kontrolle über die Situation und kann seine Entscheidungsfähigkeit stärken, um Konfliktbewältigungsstrategien zu entwickeln, zu lernen sich abzugrenzen und sich zu wehren. Über die Wiedergewinnung von  Selbstvertrauen kann das Geschehene nach und nach bewältigt werden.  

Kern unseres stationären ganzheitlichen Behandlungsangebot für Menschen, die an den Folgen von Mobbing leiden, ist eine Kombination von Einzelgesprächen und Gruppenarbeit in Verbindung mit Kreativtherapie und einem spezifischen Angebot zur Mobbing - Problematik am Arbeitsplatz, körperorientierten Ansätzen und  medizinischen Anwendungen. Der Einsatz kreativtherapeutischer und leibtherapeutischer Anwendungen ist notwendig, um aus dem chronisch negativen Gedankenzyklus auszubrechen und neue Sichtweisen zu entwickeln. Sportliche, physikalische und physiotherapeutische Anwendungen unterstützen im Sinne eines ganzheitlichen seelisch-körperlichen  Vorgehens.

Inhalte unserer Mobbing-Behandlung:  

Körperlich-seelische Stabilisierung  

Die Herausnahme aus dem beruflichen und privaten Konfliktfeld einerseits sowie eine Atmosphäre von Akzeptanz und Verständnis in der therapeutischen Begegnung und im gruppentherapeutischen Feld schafft für den Mobbing - Betroffenen eine grundlegende Entlastung, auf deren Boden die vielfältigen therapeutischen Angebote ihre  stabilisierende und selbstwertstärkende Wirkung entfalten. Unsere Leib- oder Körpertherapie, die erlebnisorientierte Musiktherapie und Kunsttherapie, Atemwahrnehmung, Yoga sowie Entspannung und ein mildes körperliches Ausdauertraining verstärken diesen Prozess.

Bearbeitung der Mobbing-Situation und  dahinter liegender Konflikte

Hierzu gehören psychoeduktive Angebote, die Bearbeitung der individuellen Situation am Arbeitsplatz in der spezifischen Gruppe für Arbeitsplatzstörungen durch Rollenspiele, Arbeitsplatz-Soziogramm mit dem Ziel, die verschiedenen Anteile der am Mobbing Beteiligten herauszuarbeiten. Diese Themen fließen in die Therapiegruppen ein, an die sich mögliche biografische und weitere aktuelle Themen anschließen. Weitere Schritte im Gruppenfeld sind Erlernen und Üben von Konfliktbewältigungsstrategien, Selbstsicherheitsübungen, Ärger- und Stressbewältigung. Sowohl die Therapiegruppe wie auch der große Raum der therapeutischen Gemeinschaft auf der Abteilung bieten viele Möglichkeiten einer Veränderung der Beziehungsgestaltung und des Kommunikationsverhaltens.  

Abschlussphase  

Nach der Bearbeitung der Frage der Integration oder Reintegration in den Arbeitsprozess oder der beruflichen Neuorientierung erfolgt die ganz konkrete Zielplanung: was ist nach dem Aufenthalt und in welcher Reihenfolge zu unternehmen? Behandlungsziel kann zum einen die dauerhafte Entlastung durch die Lösung der Mobbing - Situation sein, andererseits ist es durch begleitende Maßnahmen der Sozialarbeit möglich, einen eventuell notwendigen Arbeitsplatzwechsel anzubahnen oder anderweitige Unterstützung auf diesem Wege durch weitere  sozialtherapeutische Maßnahmen einzuleiten. Den Übergang von der stationären Behandlung in die häusliche Situation können ambulante therapeutische Maßnahmen begleiten.  

Haben Sie Interesse an weiteren Einzelheiten? Besuchen Sie doch unsere Homepage unter http://www.hardtwaldklinik1.de/Integrative_Gestalttherapie_Traumatherapie.html  oder rufen Sie uns an. Unser Sekretariat gibt Ihnen unter den Nummern 05626 - 88 17 57 bzw. 88 18 65 gerne Auskunft.

B. Landgrebe

Animationen animierte Augen

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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

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Aktualisiert: Juni 2010

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